Anschlagdynamik?

Rund um Geräte mit den älteren Boards HX3.1 bis HX3.4 (mk4) und HOAX 2

Moderator: happyfreddy

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wdeffner
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Anschlagdynamik?

Beitrag von wdeffner »

Hallo,

ich habe an meiner Nord C1 immer einen Roland XV2020 mit SRX-12 Board vewendet, um gelegentlich auch mal einen Rhodes-Sound verwenden zu können. Dies habe ich nun auch mit meiner HX-3 Orgel (umgebaute Viscount DB 5 mit Fatar-Tastaturen) probiert, aber leider ohne Erfolg.

Die HX-3 Orgel generiert bei nomalem Anschlag Velocity-Werte hart am Maximum (67-71 hex), ist man ganz vorsicht, kann man auch geringere Werte erzeugen. Die Werte der C1 liegen bei ähnlichem Anschlag im Bereich 39-41 hexadezimal. Ein weiterer Unterschied zwischen den Orgeln ist, dass der Schweller der HX-3 im Gegensatz zur C1 die Lautstärke des XBV-2020 beeinflusst. das kann ganz nützlich sein.

Ich vermute, dass die ganze Sache mit der dynamischen Erzeugung von Tastenklick-Geräuschen zu tun hat oder damit, dass die Tastaturen im Orgelbetrieb möglichst schnell reagieren sollen. Kann man dies irgendwo um oder abschalten?

Im aktuellen HX-Remote habe ich keinen Parameter gefunden.

Danke, Wolfgang
happyfreddy
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von happyfreddy »

hi
Der Tastenclick der HX 3 hat mit dynamischen Tastenkontakten wenig zu tun.
Wird der HX 3 per Scanplatinen angesteuert erhält der HX 3 nur Note ON Werte mit einem Mittelwert der Dynamikinformation der obendrein konstant ist. Eine Dynamik beeinflußt somit einen Tastenclick nicht so wie geschildert.
Die Tastaturinformation eines Dynamikwertes wird 1: 1 am MIDI OUT ausgegeben und ist allein von der Zeitspanne Schließen des ersten Tastenkontaktes sowie etwas später dem des zweiten Tastenkontaktes abhängig. Das Maß des Dynamikwertes also nur von der Zeitspanne zwischen beiden Ereignissen abhängig. Für die Tonerzeugung innerhalb des HX 3 ist nur das Schließen des ersten Tastenkontaktes relevant = Ton AN. Wird der Kontakt geöffnet bei Loslassen der Taste erfolgt der Befehl Note OFF am MIDI OUT sowie Abschaltung des Tones im HX 3 . Alternativ wäre hier auch ein MIDI Befehl NOTE ON mit RELEASE Byte "0" zulässig und gleichbedeutend.
wdeffner
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von wdeffner »

Hm,

das klingt informativ, ich verstehe aber noch nicht, was das bedeutet.

Muss ich davon ausgehen,
- dass ich am MidiOut des HX-3 (in der Kombination mit Fatar-Scan 61) grundsätzlich keine dynamischen MIDI-Daten erwarten kann
- oder dass bei mir etwas nicht richtig funktioniert.

Grundsätzlich ist das bei mit (TP61, FatarScan2, HX-2) keine ungewöhnliche Zusammenstellung, oder?

Etwas ratlos,

Wolfgang
happyfreddy
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von happyfreddy »

hi
Falls Scan Platinen für eine Tastaturabfrage benutzt werden übermittelt die Scan Routine nur NOTE ON und NOTE OFF Befehle.
Da hier keine Dynamikdaten ( Wertebereich von 0 - 127 ) ermittelt werden ( können ) wird ein sogenannter Mittelwert " 64 " in das Datenbyte eingefügt und demzufolge auch am MIDI OUT ausgegeben.
Die MIDI OUT Daten einer Scanplatinen - Abfrage enthalten also immer ein und denselben (fiktiven) Dynamikwert von " 64 " .

Dazu muß man jedoch folgendes wissen:
Im Zuge einer "Datenreduktion" des MIDI Datenflusses hat man den sogenannten " Running Status" eingeführt.
Running Status bedeutet einfach, daß man hier ein Statusbyte weglassen kann wenn nachfolgende Daten sich jeweils auf ein und dasselbe Statusbyte beziehen.
Zu den Statusbytes gehören zb sowohl das Byte NOTE ON ( 90 hex ) wie auch das Byte NOTE OFF ( 80 hex ) für den Midi Kanal 1 zb
Für MIDI Kanal 2 wären dies 91 hex und 81 hex, für Kanal 3 wären es 92 hex und 82 hex .

Die MIDI Association hat sich darauf geeinigt hier einen NOTE ON Befehl mit einem Release Wert von "0" als NOTE OFF Befehl zu interpretieren
Einige Geräte interpretieren auch einen Dynamikwert "0" als NOTE OFF Befehl . Deswegen muß hier einfach ein Mittelwert benutzt werden auch wenn von der Scanplatine kein Dynamikwert ermittelt wird. Die " 64 "entspricht dabei einer mittleren Lautstärke

Somit wird statt eines Befehls NOTE OFF = neues Statusbyte einfach ein NOTE ON mit dem Release Wert " 0 " für einen abzuschaltenden Ton gesendet.
Die Ersparnis liegt hier also im anderen Statusbyte was dabei schlicht entfällt = Running Status
Das Datenformat sieht dann einfach so aus daß auf ein Statusbyte 90hex = NOTE ON auf Kanal 1 nun nur die jeweiligen Tastennummern mit den dazugehörigen Dynamikwerten und dem Release Wert folgen.
EIn Releasewert größer als 0 ist damit ein NOTE ON Befehl und ein Releasewert = 0 ein NOTE OFF Befehl.
Bei einem Akkord mit drei Tönen werden also beim Anschlagen des Akkordes zwei Status - Bytes gespart und beim Loslassen des Akkordes gleich drei Statusbytes.

MIt reinen Scan Platinen wie der Scan 61 oder die Strip Line Ausführung werden nur "konstante" Mittelwert ( 64) Dynamikwerte gesendet.
Eine Fatarscan Platine jedoch setzt die von der Fatartastatur kommenden Dynamikwerte auch um, am MIDI OUT erscheinen somit auch unterschiedliche Dynamikwerte 0 - 127 je nach Anschlag der Tasten.
wdeffner
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von wdeffner »

Hallo,

ich habe mich nach einiger Zeit endlich mal wieder mit der Anschlagsdynamik meiner HX3-Orgel beschäftigt.
Hier noch einmal die Beschreibung des Problems:

"Die Orgel generiert bei nomalem Anschlag Velocity-Werte hart am Maximum (67-71 hex), ist man ganz vorsichtig, kann man auch geringere Werte erzeugen. manche Töne erklingen erst beim zweiten Anschlag. ich habe dies mit meiner Nord C1 verglichen. Die Werte meiner C1 liegen bei ähnlichem Anschlag im Bereich 39-41 hexadezimal. Ein weiterer Unterschied zwischen den Orgeln ist, dass der Schweller der HX-3 im Gegensatz zur C1 die Lautstärke des XBV-2020 beeinflusst. Das kann aber ganz nützlich sein."

Ich verwende zwei Fatar TP/8O-Tastaturen und eine Fatar-Scan-Platine.

Bei meiner Versuchen bin ich mit Happyfreddys Unterstützung wie folgt vorgegangen:

1. Update durchgeführt, hat aber nichts geändert

2. Tastaturen genau angesehen, die hatte ich im Verdacht, weil Tastaturen und Kontakplatinen aus unterschiedlichen Quellen kamen. Ist aber alles ok, der Abstand Stößel - Gummikontakt ist genau wie bei den Tastaturen in der C1.

3. Zu guter Letzt habe ich dann das Untermanual aus meiner C1 herausgefummelt und dieses probehalber angeschlossen. Dabei zeigen sich die gleichen Symptome.

Nun ist alles wieder zurückgebaut, das Problem ist aber nicht gelöst. Da der nächste Verdächtige nun die Fatar-Scan-Platine ist, hat Freddy vorgeschlagen, dass ich mal Bilder von der Fatarscan-Platine hochladen soll:

Das tue ich nun und hoffe darauf, dass sich daraus neue Erkenntnisse ergeben.
DSC03616klein.JPG
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DSC03615klein.jpg
(74.95 KiB) 1118-mal heruntergeladen
DSC03613klein.JPG
(67.94 KiB) 1118-mal heruntergeladen
Vielen Dank für alle guten Tipps,

Wolfgang
happyfreddy
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von happyfreddy »

Hallo,
Die Fatarscan Platine ist so wie ich es sehe richtig bestückt.
Beim Widerstandsarray evtl noch kontrollieren ob es richtig rum drin sitzt. Der " Punkt " auf dem Array muß mit der 1 Markierung des Bestückungsdruckes übereinstimmen.

Wenn jetzt hier jedoch Tastaturen und Kontaktplatinen aus unterschiedlichen Quellen stammen, so hier zunächst die Frage ob es auch
wirklich dieselben Kontaktplatinen sind die serienmäßig unter den Fatar Tastaturen sitzen.
Um dies festzustellen bitte noch ein Foto der Kontaktplatinen unter den Tastaturen so wie sie derzeit eingebaut sind.
Bitte die Flachkabel dabei kurz abziehen sowie ein Foto mit angeschlossenen Flachkabeln wegen der Polung
happyfreddy
wdeffner
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von wdeffner »

Hallo,

wie schon gesagt denke ich, dass die Tastaturen als Übeltäter definitiv auszuschließen sind, da beim Test mit einer anderen Tastatur aus meiner C1 genau die gleichen Probleme auftraten.

Hier die Fotos:
array.JPG
(62.76 KiB) 1084-mal heruntergeladen
DSC03629.JPG
(67.64 KiB) 1104-mal heruntergeladen
DSC03627.JPG
(93.18 KiB) 1088-mal heruntergeladen
Vielen Dank für die Bemühungen,

Wolfgang
harald
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Re: Anschlagdynamik?

Beitrag von harald »

Hallo Wolfgang,

da ist bei deiner Orgel nichts kaputt oder falsch bestückt. Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht.
Carsten hat in der HX3 offenbar eine extrem steile Dynamikkurve hinterlegt, die schon bei leichtem Anschlag sehr hohe Werte liefert. Gefühlvolles Piano-Spiel ist damit nicht machbar.
Carsten hatte mir bereits vor 2 Jahren zugesichert, dass er sich darum kümmern werde und das anpasst - leider ist er wohl noch nicht dazu gekommen.
Ich habe mir mittlerweile auf Basis eines ATMega einen kleinen Midi-Prozessor gebaut, der die MIDI-Ausgabe korrigiert.

Gruß,
Harald
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